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Straßennamen und Gebäude

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Straßennamen können viel aussagen und bergen Informationen über den Ort aus Vergangenheit und Gegenwart. Das Wissen darüber kann Menschen helfen, sich an einem Ort heimisch zu fühlen und vielleicht sogar, sich mit Engagement in verschiedenen Bereichen einzubinden.

Auf dieser Seite:

Bürgermeister in Straßennamen

Schulen in Petershausen

Der erste Kindergarten

Die Ziegeleien in Petershausen

In der gründlich recherchierten Chronik von Petershausen, die unter Federführung von Elisabeth Mecking und Lydia Thiel abgefasst und im Jahr 2000 veröffentlicht wurde, ist sehr viel zu finden, was auch Straßennamen erklärt und die Geschichte bestimmter Einrichtungen erläutert. Allerdings hat man nicht immer gleich das schwere, 4-bändige Werk zur Hand, wenn man mal schnell was wissen will - z.B. wer Dr. Hörmann war oder welcher Kottmair der Straße seinen Namen geben durfte.

Die Agenda-21-Gruppe hatte einen Antrag an den Gemeinderat gestellt, bei bestimmten Straßenschildern Zusatztafeln anzubringen, die die Hintergründe der Namen erklären. Der Antrag wurde am 17.02.22 mit großer Mehrheit abgelehnt, u.a. mit der Begründung, dass solche Tafeln nicht groß genug seien, um auch nur die wichtigsten Hintergründe zu erklären, online könne man so etwas viel besser machen. Deshalb wurde hier der Ortsplan ergänzt: Wenn man dort bei "Straßen" oder "Gebäude" einen Namen anklickt, erhält man nicht nur den Hinweis auf die genaue Örtlichkeit, sondern es geht zusätzlich ein Fenster mit einigen Erklärungen über den Namen auf - wenn vorher bei "Beschreibungstexte einblenden" der Haken nicht entfernt wurde.

Von Christa Jürgensonn

Bürgermeister in Straßennamen

Lediglich zwei frühere Bürgermeister Petershausens haben es bisher zu einem Straßennamen gebracht: Ludwig Götz und Rudolf Rädler.

Ab 1952 war der Betriebsleiter der Elektrofirma Lehle, Rudolf Rädler (*1896 †1977), frei gewählter und dreimal wiedergewählter Bürgermeister des Ortes. Bereits 1937 war er gegen seinen Willen und gegen den der sogenannten Ratsherren, also des Gemeinderates, von der "Kreisleitung" eingesetzt worden, und zwar mit der Begründung, dass die vielen neuen Tätigkeiten eines Ortsvorstandes nicht länger von einem Bauern nebenberuflich bewältigt werden könnten.

In der Chronik (Mecking, Thiel, 2000) ist festgehalten, dass sich Petershausen mit Bürgermeister Rädler in der Nazizeit zunächst gegen die angeordnete Auflösung der Bekenntnisschule und Einführung der nicht-konfessionellen sogenannten Gemeinschaftsschule wehren konnte - in Petershausen wünschte man keine parteikonforme Schulerziehung. Bei Kriegsende konnte Rädler den "Volkssturm" verhindern und mit anderen Mutigen dazu beitragen, dass Brücken und Bahngleise nicht gesprengt wurden, um den "Feind aufzuhalten". Mit seinem aufrichtigen Verhalten konnte er bei der Bevölkerung dermaßen punkten, dass er 1952 wieder ins Bürgermeisteramt gewählt wurde und bis zu seinem Tod im Dezember 1977 erfolgreich die Geschicke Petershausens lenkte. Zweiter Bürgermeister Ludwig Götz übernahm dann die Geschäfte bis zur Wahl im darauffolgenden März, kandidierte (für die CSU) selbst als Erster und gewann.

L.-Götz-Weg
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Nach Ludwig Götz (*1933 †2002) wurde der heutige Fuß- und Radweg zwischen Indersdorfer Str. und Westring unter den Bahngleisen durch auch deswegen benannt, weil in seine Zeit als Bürgermeister der Ausbau der ICE-Bahnstrecke fiel. Der Gründer der hiesigen Apotheke war 1978 zum 1. Bürgermeister gewählt worden - bis 1996 übrigens eine nebenberufliche Tätigkeit. Ehrenamtliches Engagement, z.B. die Jugendarbeit mit den Gästen der französischen Partnergemeinde Varennes-en-Argonne, unterstützte er großzügig und unbürokratisch finanziell, woran sich so mancher Aktive noch heute dankbar erinnert.

Wesentlich höhere Geldbeträge waren jedoch für den Bahnausbau fällig. Damit die Staatsstraße Richtung Indersdorf eine Gleisunterführung bekommen konnte, mussten auch zahlreiche Leitungen und Rohre verlegt werden, was die Gemeinde viel Geld kostete. Genauso wurde unsere Kommune für die Verbreiterung der Straßenunterführung zum heutigen P+R-Platz nahe Obermarbach zur Kasse gebeten, da schon damals eine Umgehung Richtung Jetzendorf geplant war, die bis heute nicht verwirklicht ist.

Da unter Bürgermeister Götz auch der Schulneu- und Erweiterungsbau fiel (Fertigstellung 1982 und 1997) sowie das Klärwerk am Heimweg (2002), musste die Gemeinde viele Schulden aufnehmen. Nach einer hohen Rechnungsstellung der Bahn wegen Verlegung von Wasser-/Abwasserleitungen zum Ende seiner Amtszeit aber drohte tatsächlich die Zahlungsunfähigkeit und Finanzaufsicht durch das Landratsamt.

Eine schwere, aber für sie lösbare Bürde nahm damit seine Nachfolgerin Elisabeth Kraus auf sich, die nicht nur durch Sparmaßnahmen zu beheben war. Ein wichtiger Schritt war die Ausgliederung der Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung in einen Eigenbetrieb, der übersichtlich und direkt Kosten und Nutzungsgebühren gegenüberstellte. Elli Kraus war die erste Frau in diesem Amt und erstmals jemand aus der neu gegründeten Wählergemeinschaft Freie Wähler. Sie hatte im März 2002 die Stichwahl gegen den CSU-Kandidaten Manfred Seemüller gewonnen. Bürgermeister Ludwig Götz starb wenige Wochen vor Ende seiner Amtszeit nach längerer Krankheit, so dass der langjährige 2. Bürgermeister Wolfgang Stadler (SPD) einige Wochen als "Erster" fungierte und die neue Bürgermeisterin in ihr Amt erhob. Da sie nur sechs Jahre wirken durfte, wird Petershausen wohl noch länger ohne Straße mit weiblichem Namen bleiben, hätte es doch mit einer länger dauernden Besetzung des Bürgermeisteramtes mit einer Frau eine gute Chance dazu gegeben.

Der nächste Wahlsieger Günter Fuchs (CSU) konnte auch nur sechs Jahre lang Petershausens Bürgermeister bleiben (2008 - 2014), so dass auch er nicht die kurze Liste der "Bürgermeister im Straßennamen" verlängern wird. Warten wir ab, wie es weitergeht!

Schulen in Petershausen

Nur in den beiden größten Ortsteilen unserer heutigen Gemeinde gab es Schulgebäude, nämlich in Kollbach und Petershausen. Alle anderen Kinder mussten teilweise weit laufen: Die Kinder aus Asbach, Glonnbercha, Giebing, Höckhof, Kammerberg, Mühldorf, Piflitz und Weißling gingen mit den Kollbachern dort. Und nach Petershausen gingen die aus Ziegelberg, Lindach, Sollern und Obermarbach. Die Kinder aus Mittermarbach gingen früher nach Hohenkammer, zu deren Pfarrgemeinde sie auch gehörten - und die aus Oberhausen nach Steinkirchen/Reichertshausen, wohin sie auch heute noch gehen, nachdem die Eltern einen entsprechenden Antrag gestellt haben.

Schule Kollbach
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In Kollbach wurde als erste Schule das spätere Hüthaus genutzt, ein Holzschuppen mit einem Klassenraum als Teil der Lehrerwohnung an der Einmündung der Straße nach Weißling - da, wo später das Feuerwehrgerätehaus gebaut wurde, in dem sich heute das Haus der Kollbacher Vereine befindet. Wo sich später das Gasthaus Birnbaum befand, Dachauer Str. 39, wurde 1822 ein neues Schulhaus aus Ziegeln gebaut. Nachdem dies zu klein wurde, errichtete man 1878 an der Schulstr. 9 ein Gebäude mit Wohnung für den Lehrer und einer Stallung, damit er sich mit eigener Tierhaltung sein Gehalt aufbessern konnte. Nach dem letzten Umbau 1889 fanden sich im EG die Wohnung und im OG 2 Klassenräume. Bis 1975 wurde in Kollbach unterrichtet, danach gingen alle nach Petershausen.

Schule Petershausen
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Der Schulbau in Petershausen begann bereits lange vor der allgemeinen Schulpflicht. 1751 kaufte Pfarrer Dr. Johann Michael Hörmann (*1682 +1763) aus eigenen Mitteln ein leerstehendes Anwesen gegenüber dem Pfarrhof, um ein Schulgebäude errichten zu lassen, weil er der sittlichen Verrohung der Jugend entgegenwirken wollte. Nach Einführung der allgemeinen Schulpflicht wurde 1804 die Pfarrschule in eine staatliche umgewandelt. Nachdem das Gebäude zu klein und außerdem der bauliche Zustand immer mehr zu wünschen übrigließ, wurde 1913 in der Nähe auf einer Obstwiese, die der Pfarrer bereits früher der Schule zur Eigenversorgung des Lehrers geschenkt hatte, ein inzwischen denkmalgeschützter Neubau errichtet. Das Anwesen Kirchstr. 18 wurde versteigert und bald darauf konnte man dort beim "Kramer-Bauer" einkaufen. 1954 kam der Anbau in der Bürgermeister Rädler Str. 3 hinzu. Seit ca. 1983 wird die ehemalige Schule als Rathaus genutzt.

Nach 1964 waren die bayrischen Volksschulen in 4-klassige Grundschulen umgewandelt worden. Die Hauptschule kam zum großen Bedauern aller Hiesigen nach Markt Indersdorf. Nun mussten die Kinder ab dem 11. Lebensjahr dorthin, wenn sie nicht eine andere weiterführende Schule außerhalb der Gemeinde besuchten.

Trotzdem machten die höheren Anforderungen an die Grundschule und gestiegene Schülerzahlen einen Neubau mit Mehrzweckhalle erforderlich, der 1982 bezogen werden konnte. Ein Schulerweiterungsbau und die "neue Aula" kam nach 1997 dazu. Damit war der gesamte ehemalige Pfarrgarten mit Obstwiesen überbaut. 2021 war die bisher letzte Erweiterung fertig, um der 4-klassigen Grundschule mit gebundenem Ganztag und Mittagsbetreuung sowie dem Instrumentalunterricht des Musikzentrums und einigen VHS-Kursen den benötigten Platz zu gewähren.

Der erste Kindergarten

"Der Sandkasten war ganz hinten am Zaun zum Friedl", erzählte die mittlerweile verrentete, gebürtige Petershausenerin. Sie war noch im Kindergarten bei den Schwestern im "Benefiziatenhaus", so wie alle anderen nur halbtags, zu Erntezeiten auch länger. An die Enge und große Kinderzahl kann sie sich nicht erinnern, aber an das Spiel im großen Obstgarten und v.a. im Sandkasten. Vielleicht wurde sie deshalb später im Bauamt in einer unserer Nachbargemeinden für viele Jahre tätig.

Kottmairstr.
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Ein Domgeistlicher aus München, Benefiziat Lorenz Kottmair, geboren 1827 am Kreithof zu Sollern, beerdigt 1912 auf dem Kirchenfriedhof Petershausen, hatte die sogenannte Kinderbewahranstalt an dieser Stelle ermöglicht, indem er 1909 einen Neubau finanzierte, der zu diesem Zweck auf einem großen Grundstück in der Nähe der Kirche erstellt werden sollte, das von der Pfarrpfründe Petershausen dafür unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden war. Die Bauleitung erhielt der damalige Pfarrer Max Schmid, der dann auch dafür sorgte, dass die in Kinderbetreuung erfahrenen Niederbronner Schwestern 1910 mit der Leitung betraut wurden, was bis 1962 so blieb.

Lorenz Kottmair stiftete außerdem einen Betrag von 1000 Mark, dessen Zins zum Unterhalt der Schwestern dienen sollte. Die Schlafzimmer für die jeweils drei Schwestern befanden sich in der Etage oberhalb des "Kindersaales". Die hoch angesehenen Schwestern waren zusätzlich für Schulspeisung, Chorleitung, Handarbeitsunterricht, ambulante Alten- und Krankenpflege und vieles andere zuständig und deshalb oft im Ort unterwegs. Der gewundene Fußweg zwischen Kirchstr. 7 und 5 zur Münchner Str. hieß lange das "Schwesternwegerl".

Benefiziaten-Haus
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Ganz im ursprünglichen Sinn hat heute das Zentrum für Familien Rundum e.V. mit Hebammenpraxis dort sein Büro und Räumlichkeiten für viele Kurse für Schwangere und junge Mütter, aber auch für Familienfeiern und Vereine mit sozialen Zielsetzungen. Während die früheren Hebammen Maria Moosreiner in ihren Räumen in der heutigen Ludwig-Thoma-Str. bis nach 1950 und Henriette Seeleitner in der Blumenstr. 12 bis 1963 auch Gebärzimmer bereitstellten, wo auch die anfangs genannte Erzählerin 1956 zur Welt kam, wurden und werden im Benefiziatenhaus keine Kinder mehr zur Welt gebracht.

Der Kindergarten St. Laurentius kam später unter die Trägerschaft vom Franziskuswerk Schönbrunn mit seinem Flachgebäude in der Moosfeldstr., das schon seit längerer Zeit nicht mehr den heutigen Ansprüchen gerecht wird. Am lange geplanten, nun großzügigen und in vieler Hinsicht nachhaltigen Neubau in der Mitterfeldstr. wurde Anfang Juli 2022 Richtfest gefeiert. Neben diesem Kindergarten gibt es in unserer Gemeinde inzwischen noch drei andere öffentliche Betreuungseinrichtungen.

Die Ziegeleien in Petershausen

Ziegelei 1
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1582 erstmals erwähnt wurde die Ziegelei in "Zieglberg", wie es sich damals schrieb. Der Zieglerweg erinnert daran. Der Betrieb war von den Herren von Furtenbach aufgenommen worden, gleichzeitig mit dem Bau von 10 kleinen Häusern für die Arbeiter, Dies wurde 1606 wie folgt dokumentiert: " … vor etlichen Jahren einen Ziegelstadel und daneben 10 Söldenhäusel …". Über mehr als 200 Jahre florierte der Betrieb und wurde ausgebaut - bis es zu Familienstreitigkeiten kam, sogar mit Todesfolge. 1887 wurde die Produktion endgültig eingestellt, 1912 alles abgerissen und ein Bauernhaus gebaut.

Als 1865 mit dem Baubeginn der Bahnstrecke über Petershausen der Bedarf an hochwertigem Baumaterial für Bahnhöfe, -Übergänge oder -Brücken enorm zunahm, konnte am Höckhof eine Ziegelbrennerei mit Trockenstadel errichtet und bis ca. 1906 betrieben werden. Für die Arbeiter wurden kleine Wohnhäuser am heutigen Wendelsteinweg errichtet, bergaufwärts rechts, die erste Bebauung Über der Glonn.

Ziegelei 2
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Erst 1906 wurde an der Ziegeleistr. der letzte und größte Betrieb aufgebaut, wieder mit Wohnmöglichkeiten für die Beschäftigten, übrigens vorwiegend Fachpersonal aus Italien. Bei einem der letzten Bombenangriffe im April 1945 brannte die gesamte Holzhalle ab, heute An der alten Ziegelei, wo seit 2020 ein Neubaugebiet steht. Schon bald nach Kriegsende wurde ein Notbetrieb aufgenommen. 1948 errichtete man eine steinerne Halle, in der ab 1949 mit enorm vergrößerter Kapazität produziert wurde. Der Betrieb wurde erst 1980 stillgelegt, das Gebäude zerfällt seitdem.


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