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Crazy Little Things in der Aula
"Dass es bei uns so tolle Veranstaltungen gibt, hab ich gar nicht gewusst",
sagte ein Besucher am Samstagabend nach dem Sommerkonzert des Gemischten Chores
am 18.07.26. Tatsächlich waren das keine Crazy little things, die das Publikum
in Bann gehalten hatten, sondern viel mehr Crazy great things.

Wir
hatten uns monatelang gesangstechnisch auf "Open Air" im Schulhof eingestellt
und hätten es wahrscheinlich auch ganz gut hinbekommen. Wetterbedingt konnte am
Freitag der Bühnenaufbau nicht stattfinden, auch die Generalprobe musste in der
Schule stattfinden. Für Samstag war keine Aufbauplanung für die stundenlange
Vorbereitung mit Bühnenteilen und -Technik möglich. Bei so vielen
unterschiedlichen Verstärkungsarten mit so wenig Soundcheck - das konnten wir
weder unserem Mitsänger und "Chortechniker" Dieter Lang noch dem Publikum
zumuten.
Also blieb nur die Schul-Aula, die sich bereits um 19 Uhr mit Gästen füllte. Die konnten wir mit der ungewöhnlichen Programmzusammenstellung tatsächlich überraschen: Der Gemischte Chor als Ganzes sang nur acht Mal, Lieder aus fünf Jahrhunderten, und immer ging es um die Liebe - als Himmel auf Erden, Liebessehnsucht, Liebesschmerz: Speme Amorosa von G. Gastoldi, Ed Sheerans Perfect, Dein Herzlein mild von J. Brahms, 9 Crimes v. Damien Rice mit Solo von Jasmine und Manuel Kroiß, Mit Lieb bin ich umfangen (Johann Steuerlein, 1603), Crazy little thing called love von Queen und den Swing-Klassiker Sway. Jedes Stück mit anderen Harmonien, vertrackten Rhythmen, mal mit viel Text in deutsch, englisch oder italienisch, mal nur gesummt, mal a-cappella, mal mit Begleitung vom Klavier oder Orchester. Die jeweilige Umstellung auf vollkommen andere Musik war für einige von uns Sängerinnen und Sänger eine Herausforderung bei den Proben - beim Konzertabend halfen uns dann die vielen Pausen zwischen den Stücken.

Etwa zwei
Drittel des Abends wurden nämlich anders gestaltet. Die manchmal recht langen
Moderationen verschiedener Chormitglieder waren witzig und voller
Hintergrundinformationen, was so manches Lied nicht nur dem Publikum erst
verständlich machte. Karl Kühbandner hatte vieles davon erarbeitet - und den
ganzen Abend über immer wieder mit deren Vortrag zu tun. Kilian Thomas (unser
Vorstand) und Luzia Seidl übernahmen Begrüßung, Anmoderation und Verabschiedung.
Und Ingrid Werner und Thorsten Siefarth gefielen nicht nur mit ihren
Erläuterungen, sondern auch beim Vortrag von "Eine Liebesgeschichte" von
Siegfried Lenz und der Ballade "Danach" von Kurt Tucholsky. Karl Kühbandner
überzeugte mit einem der berühmtesten Gedichte des jungen J.W. Goethe
(Sesenheimer Lieder "Willkommen und Abschied", 1775). "Ohne Goethe geht es bei
einem ehemaligen Deutschlehrer einfach nicht", hieß es in der Anmoderation von
Kilian.
Einzelne Chorsängerinnen und -Sänger waren in Solo-Auftritten allein, zu zweit und in 4er- und 5er-Formation zu hören und sehen. Marko Hübner outete sich als Jealous Guy (John Lennon) und übernahm später auch die Tenorstimme bei "Lasciate mi morire" von C. Monteverdi. Mit ihm sangen Hilke Kirchner, Andrea Seidl, Karl Kühbandner und ich. Bestimmt auch wegen der witzigen Choreographie und der vielen Punkte kam der Shoop Shoop Song mit Andrea Seidl gut an, im korrespondierenden Background Hilke Kirchner, ihre Tochter Luzia Seidl als Gast und Ingrid Werner.

Der Star
des Abends aber war Josefa Czerny, die mit ihrer hellen, warmen Stimme und
strahlenden Erscheinung wunderschöne Arien zum Glänzen brachte. Zum Walzer "Ich
tanze mit dir in den Himmel" kam - unangekündigt - auch Josef Lechner auf die
Bühne, sang und schwang mit ihr das Tanzbein.
W. A. Mozarts Zauberflöte war mit "Bei Männern, welche Liebe fühlen" dabei, die männliche Rolle übernahm hier Karl Kühbandner. Die Arie "Strahlender Mond" von E. Künneke kam zunächst aus dem Hintergrund, erst gegen Ende präsentierte sich Josefa dann dem Publikum vor der Bühne.
Das Petershausener Kammerorchester unter Leitung von Eugen Tluck begleitete Solisten und Chor wie immer zurückhaltend oder impulsgebend, je nachdem. Vor allem aber begeisterten sie mit dem Eric-Clapton-Song Tears in Heaven. Auch das Ständchen von Franz Schubert und die Walzer von Edward Elgar und Dimitri Schostakovitsch brachten das Publikum in Schwung.
Für alle die große Überraschung aber war der Sketch von Loriots "Feierabend", in dem Berta im Hintergrund in der Küche werkelnd ihrem Hermann erklären will, was ihm gut zu tun hat und ihn damit zur Weißglut bringt. Während sich Marko Hübner auf der Bühne in einem alten Sessel "einfach nur sitzen"d gegen diese Aufforderungen zu wehren weiß, erhebt sich die Stimme von Hilke Kirchner als Berta mehr und mehr, nervenaufreibend, bis hin zu Hermanns auflösendem Schlussruf "Ich schreie Dich nicht an!" Einfach gut, die beiden, nur die Knollennasen haben gefehlt.
Der ganze Abend war so gekonnt gemischt und unterhaltsam geplant und dargebracht, dass niemand merkte, wie schnell die Zeit verrann. Unsere Chorleiterin Anna Nam hatte über ein halbes Jahr bei Chor und Ensembles ihr Know-How eingebracht, erklärt, immer wieder mit uns geübt, Impulse gesetzt, und vor allem geduldig wiederholt - bis sie einigermaßen zufrieden war. Wir sind dankbar, dass sie mit uns so arbeitet, auch wenn es manchmal sehr anstrengend ist. Danke, Anna!
Und wir sind froh, dass in letzter Zeit wieder neue Chormitglieder zu uns gefunden haben, denn viele alte sind mittlerweile im Rentenalter und pausieren schon mal. Über weitere Mitsänger und Mitsängerinnen würden wir uns sehr freuen, damit wir mehr werden und vielleicht auch mal wieder ein größeres Werk aufführen könnten.
Von Christa Jürgensonn, 19.07.26
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