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Stern, Doppelpunkt, Unterstrich?
In immer mehr Zeitungen und auf Webseiten findet man als Bemühen um eine geschlechter­gerechte Sprache Konstrukte wie Lehrer*innen, Lehrer:innen, Lehrer_innen, Lehrer/innen oder LehrerInnen als Alter­native zu dem viel längeren "Lehrer und Lehrerinnen". In Radio und Fernsehen hört man statt Stern, Doppelpunkt oder Unterstrich immer öfter eine kleine Sprechpause als Tribut an das unaussprech­liche Zeichen und als Versuch, niemanden zu benachteiligen. Ziel ist dabei, die Gleichbe­rechtigung von Frauen und Männern über die Sprache auch im Denken zu verankern.

Lehrer*innen  Lehrer:innen
Lehrer_innen  LehrerInnen
Lehrerinnen und Lehrer

Müsste das "Bürgerhaus" nicht "Bürgerinnen- und Bürgerhaus" oder "Bürger*innenhaus" heißen? Oder ist "Bürger" ein generisches Mas­kulinum, das Frauen mit ein­schließt? Ganz schwierig wird es bei Be­griffen wie "der Arzt", wenn "die Arzt*in" und andere Kombi­nationen schlicht falsch sind.

Der Rat für deutsche Rechtschreibung, dessen Regeln für Behörden und Schulen als ver­bindlich gelten, forderte im März 2021 unter anderem zwar, dass allen Menschen mit geschlechter­gerechter Sprache begegnet werden soll und sie sensibel angesprochen werden sollen. Dies sei allerdings eine gesell­schaftliche Aufgabe, die nicht allein mit orthografischen Regeln und Änderungen der Recht­schreibung gelöst werden kann. Der Rat fordert insbesondere, dass auch geschlech­tergerechte Texte vorlesbar sein und die Möglichkeit zur Konzentration auf wesentliche Sachverhalte und Kern­informationen sicher­stellen müssen. Die Formulierungen dürften zudem das Erlernen der deutschen Sprache nicht erschweren.

Schon 1998 hieß es im Grammatik-Teil des Duden, dass das generische Maskulinum besonders bei Berufs­bezeichnungen immer mehr abgelehnt würde. Die Duden-Redaktion stellte 2020 fest, dass das Deutsche eine Fülle an Möglich­keiten biete, geschlechter­gerecht zu formulieren, es gebe dafür allerdings keine Norm.

Der Deutsche Blinden- und Sehbehinderten-Verband konstatiert, dass Software, die Webseiten vorliest, Sternchen oft als "Stern" ausspricht. Der Doppelpunkt würde dagegen zwar meist als Pause gesprochen, allerdings sei für den Zuhörer unklar, dass deren Ursache die Gender-Schreibweise ist.

Die Universität Bremen empfiehlt hingegen, in Anschreiben nicht mehr das binäre Sprach­modell wie in "Sehr geehrte Damen und Herren" zu verwenden, sondern besser "Hallo", "Guten Tag" oder "Liebe*r" und "Sehr geehrte*r", um auch Transgender-Menschen ein­zuschließen.

Bürgerinnen und Bürger empfinden diese Diskussion und insbesondere auch die kon­sequente Anwendung der Gender-Schreib­weisen oftmals als nervig. Sie argumentieren, der manchmal als übertrieben empfundene Einsatz von Sternchen und Ähnlichem würde der Sache sogar schaden und durch verlängerte Texte die Aufmerksamkeit vom eigentlichen Thema ablenken. Bei einer Umfrage des Vereins Deutsche Sprache 2019  erklärten lediglich 27,9 Prozent der Frauen und 27,1 Prozent der Männer, gendergerechte Sprache sei ihnen "eher wichtig" oder "sehr wichtig". Rund 75 Prozent der Befragten sprachen sich dagegen aus, gesetzliche Vorschriften dafür zu schaffen. Oft hört man als Argument, die explizite Nennung von Männern und Frauen würde die Geschlechtertrennung noch verschärfen statt sie zu beseitigen.

Vor dem Internationalen Frauentag 2019 hat die CSU-Politikerin Dorothee Bär Bemühungen um eine geschlechter­gerechte Sprache kritisiert: "Ich finde das alles total gaga, sowohl das Binnen-I als auch das Gender-Sternchen." Dagegen hat Bundes­justiz­ministerin Christine Lambrecht (SPD) 2020 einen kompletten Gesetz­entwurf in der weiblichen Form verfasst, der allerdings von Innen­minister Horst Seehofer (CSU) prompt abgelehnt wurde, weil er formal nur für Frauen gelte. Der CDU-Bundestags­abgeordnete Christoph Ploß meinte 2021, die Gender-Sprache sei unästhetisch und der Staat solle sich vor ideologischen Umerziehungs­aktionen hüten. Die Grünen machten dagegen bei ihren Veröffent­lichungen bereits 2015 das Gender-Sternchen zur Pflicht.

Ganz so kämpferisch gibt sich die Webseite von Peters­hausen mobil allerdings nicht. Oft gibt es neutrale Formulierungen wie "Lehrkräfte" oder "Lehrkörper", die den Streit elegant umschiffen. In einzelnen Fällen wie beim Bürgerhaus wird das generische Maskulinum als verständliche und doch inklusive Form benutzt.

Von Herwig Feichtinger, 13.05.21


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